Rastlos in London

7.08.2006 - Lost in Hamstead

Heute morgen schlafe ich lange und ziemlich gut. Es ist wirklich überraschend, wie viel die Stille ausmacht (und das bei mir, die normalerweise neben einer Straßenbahn wohnt). Ich hab auch endlich mal einen Dusche vor der man sich nicht ekeln muss.
Ich wollte mich eigentlich schon um 11:30 mit Annika treffen, weil wir nach Camden auf den Markt wollen, doch das Ganze verschieben wir nach hinten, damit Bettina auch noch mit kann. Ich besorge erst noch eine Oyster Card für Janosch und fahre dann bis Marble Arch und gehe ins libanesische Viertel (inspiriert durch die Demo?!) Das Viertel ist wirklich sehr interessant. Es gibt viele kleine Läden und Bäckereien, Shisha-Bars und Cafes und Restaurants. Ich werde hier auf jeden Fall mal essen gehen und Shisha rauchen, allerdings scheint es mir keine allzu gute Idee zu sein, als Frau unverschleiert alleine hier rumzulaufen. Ich werde zwar nicht blöd angemacht, aber ich spüre ich Blicke im Rücken und sehe in die erstaunten Gesichter. Aber so lange bleibe ich eh nicht, sondern mache mich auf den Weg nach Camden.
Dort angekommen warte ich vor der Station auf Annika und Bettina. Dabei fällt mir etwas auf, was ich in Edinburgh schon gesehen habe und deswegen hier gar nicht mehr so stark wahrgenommen habe. Anscheinend gibt es in England einen Job, der Schildträger oder so heißt. Überall stehen Leute rum, die große Schilder halten auf denen "Tanning 2 GBP / 30 min" oder "Good Buffet ->" steht. Quasi menschliche Werbeständer. Ich hätte gerne mal einen der Träger gefragt, was man damit so verdient, denn anscheinend muss es sich ja lohnen.
Wir schlendern diesmal zu dritt über den Markt. Der ist sonntags noch voller und es gibt noch mehr verschiedene Stände (unter anderem auch einen kleinen Flohmarkt). Wir kaufen uns was zu essen und trinken Tee/Kaffee. Schließlich sind wir alle ziemlich kaputt. Annika und Bettina fahren schon einmal nach Hamstead Heath während ich noch in den diversen CD-Läden stöber und zwei CDs kaufe.
Ich fahre dann auch mit der Tube nach Hamstead, aber ich schaffe es nicht in den Park zu kommen. Eine Stunde fahr ich Bus und stapfe durchs Dickicht, aber es hat nicht sollen sein. Schließlich geb ich's auf und verabrede mich mit Bettina und Annika am Tottenham Court, wo wir mit den anderen noch was trinken wollen. Ich fahre Bus und lese mein Buch von Jancee Dunn. Eine schlechte Idee, wie sich am Ende der Fahr herausstellt. Jetzt ist mir total übel und ich halte es trotz Cidre und Zigaretten nicht mehr lange aus.
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7.08.2006 - Nullmeridian schließt um 6 Uhr

Heute morgen stehe ich um 7 Uhr auf, obwohl Samstag ist. Schließlich will ich mein neues Domizil beziehen. Doch zuerst einmal stehe ich vor der fast unlösbaren Aufgabe meinen ganzen Krempel in meine zwei Taschen zu stopfen. Ich schaffe es tatsächlich bis 10 Uhr auszuchecken. Der C10-Bus bringt mich dann zur Victoria Station. Leider darf ich erst um 14 Uhr auf mein Zimmer. Also fahr ich zu Selfridges. Das ist quasi das Harrods für die nicht ganz so reichen, aber immer noch ziemlich reichen. Dort gibt es auch tatsächlich Brezeln und Laugenbrötchen und sie schmecken sogar fast wie in Deutschland. Allerdings gibt es auch Ameisen in Schokolade gegossen, Lollies mit Wurm oder Skorpion drin und grünes Krokodil-Curry aus der Dose. BÄH! Ein echtes Ekel-Kabinett und das neben meinem Brezel-Stand. Ich laufe noch ein bisschen auf der Oxford-Street rum und will dann nach Hause laufen. Allerdings gerate ich in eine Demonstration. Die Anhänger der Friedensbewegung und einige Libanesen demonstrieren gegen den Krieg und einige Libanesen demonstrieren gegen Israel. Wenn das ganze eine reine Friedensdemonstration gewesen wäre, dann wäre ich mitmaschiert, aber die "down down Israel" Rufe schrecken mich doch ein bisschen ab. Dummerweise werd ich, als ich dabei bin mich durch die Menschenmassen zu schieben von einem Journalisten (oder Geheimdienstler) fotografiert. Ich kann mir schon mit Schrecken die Schlagzeilen des nächsten Tages vorstellen: Angehörige Deutscher Botschaft auf anti-semitischer Demonstration. Aber zum Glück bin ich werder passend angezogen, noch halte ich ein Plakat hoch und außerdem habe ich eine Selfridges-Tüte in der Hand. Endlich ist es mal gut völlig unpassend zu sein.
Am Wigram House angekommen darf ich dann auch mein Zimmer beziehen. Es ist zwar etwas kleiner als mein altes, aber dafür sehr sauber und in einem wunderschönen Milka-Lila gestrichen. Nein, man kann es echt nicht anders sagen, die neue Unterkunft ist der Hammer verglichen mit der alten. Die Location ist richtig gut. Ich werde zur Botschaft laufen können und wohne mitten im Stadtzentrum. Außerdem liegt das Zimmer in einem sehr schönen Haus in einer Nebenstraße, in der es extrem leise ist. In meinem Zimmer hört man nicht ein Auto oder (für London ungewöhnlich) Flugzeug.
Ich will eigentlich die anderen in Greenwich treffen und nehme den Bus, der wirklich direkt vor meiner Haustür abfährt. Allerdings muss der Bus wegen der Libanon-Demo diverse Umwege fahren, so dass ich viel zu spät ankomme. Immerhin erlebe ich noch einen wirklich tollen Blick auf London in der Abendsonne. Wir sitzen im Greenwich Park vor dem Observatorium, das direkt am Nullmeridian liegt. Allerdings schließt der Nullmeridian um sechs Uhr abends. Irgendwie eine komische Vorstellung.
Wieder in der Innenstadt angekommen gehen wir noch in Neal's Yard einen sehr schönen Innenhof am Convent Garden. Ringsum stehen alte Backsteinhäuser, die buntbemalt sind. Man kann etwas essen oder sich seine Vorräte selbst mitbringen. Irgendwie sind erstaunlich wenig Touristen hier. Wahrscheinlich bin ich endlich mal in einem der berühmten Geheimtipps gelandet.
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7.08.2006 - Eine Tonne Papier = ein guter Tag

Heute war ein unglaublich produktiver Tag. Ich konnte für Frau Lotzenburger etikettieren, Einladungen rausschicken und die Gästeliste führen. Dazu gab es noch eine sehr ausführliche Führung durch die Residenz von Claudia (eine Kollegin aus der Kulturabteilung). Das Gebäude ist wirklich sehr beeindruckend innen. Die Möbel stammen aus verschiedenen Jahrhunderten und aus verschiedenen Ländern. Angeblich hat sich eine Besucherin mal beschwert, warum dort nicht ausschließlich deutsche Antiquitäten ausgestellt sind. Tja man kann es wohl keinem recht machen. Claudia erzählt uns auch, woher die Speaker's Corner ihren Namen hat. Dort wurden früher Verbrecher gehängt und hatten vor ihrer Hinrichtung noch das letzte Wort. Zitat Claudia: "Da kommt man schon einmal in einen gewissen Redefluss". Auf jeden Fall war die Führung sehr interessant. Es gibt anscheinend noch viel mehr Leute hier, die sich wirklich viel Mühe geben.
Nachmittags hab ich meinen Bericht zum Thema erneuerbare Energien fertig. Insgesamt 10 Seiten mit Fußnoten. Dazu kommt ein Aktenordner mit 1367 Seiten Quellenmaterial. Ich schnappe mir beides und bringe es zu meinem Betreuer. Seine Reaktion: "Was ist das?" In meiner guten Laune hätte ich fast geantwortet: "Ein Aktenordner und ein Haufen Papier", doch ich belasse es bei einem "Der Bericht zum Thema erneuerbare Energien" und schwärme davon wie toll man sich in das Thema einarbeiten und einlesen könne und wie viel man dazu schreiben könne. Ich bemerke leichtes Entsetzen auf dem Gesicht meines Betreuers als er den dicken Aktenordner erblickt. Ich erkläre ihm, dass sich darin die dazugehörigen Quellen befinden, die er doch sicherlich zusätzlich lesen wolle. Anschließend verlasse ich sehr gut gelaunt sein Büro. Ich hoffe, dass er ab jetzt nie wieder mir gegenüber einen so hochmütigen Ton an den Tag legt und wenigstens ein bisschen Respekt vor mir zeigt.
Nach Feierabend setze ich mich mit einem Eis und meinem Buch in den Park und genieße das letzte bisschen Sonne. Morgen geht es früh raus zum Umzug.
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7.08.2006 - Some idle Thursday

Heute war ausnahmsweise mal nicht wirklich viel los. Ich hab mich weiter mit meinem Bericht rumgeschlagen und bin nach der Arbeit in die China-Town gefahren.
Verglichen mit Amsterdam oder gar Antwerpen ist sie nicht wirklich groß. Am Eingang steht jeweils ein chinesischer Torbogen. Dahinter befinden sich unglaublich viele chinesische Restaurants. Wenn man ein Stück weiter durchgeht, dann findet man auch ein paar asiatische Supermärkte, japanische und koreanische Restaurants (in einem hab ich ein sehr leckeres Sushi gegessen.) und einen Markt, der allerlei Asiakitsch und Klamotten verkauft. Allerdings ist alles ziemlich kommerziell und teuer. Kein Vergleich mit dem Silkmarket in Peking. Aber immerhin weiß ich jetzt, wo ich die Utensilien für Sushi her bekomme.
Ich gehe noch ein Stück weiter und laufe durch eine Straße, die voll mit Bücherläden ist. Mich wundert es, wie sich die Geschäfte nebeneinander halten können. Ein Laden sieht sehr interessant aus. Er ist innen mit Holz verkleidet und hat Design- und Architekturbücher. Nachdem ich einige Zeit durch den Laden geschlendert bin, beschließe ich die Treppe runterzugehen und weiter zu gucken. Nicht wissend, dass sich im Keller des Buchladens ein "fully licensed sex shop" befindet. Erstaunt stehe ich zwischen ein paar Männern, die verklemmt einige gut bebilderte Zeitungen durchblättern. Darauf hab ich wirklich keine Lust und flüchte die Treppe nach oben zu Waterstone's, dem größten Buchladen Londons am Picadilly Circus. Dort hatte ich auch schon das Bilderbuch für Herrn Unkelbachs Tochter gekauft. Leider komme ich über die erste Etage nicht hinaus, denn dummerweise gibt es diese blöde Aktion: "buy 2 get 3", so dass ich ganz verschämt mit 6 Büchern aus dem Geschäft wieder rausgehe. Für die Bücher hab ich mehr gezahlt, als für die Wildleder-Schuhe, die ich im Supersonderangebot für sage und schreibe 10 GBP bekomme.
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7.08.2006 - Hy thee hither

Den ganzen Vormittag verbringe ich mich Recherche zu dem Projekt. Ich schaffe es sogar den Toner von unserem Laserdrucker leer zu drucken. Auf meinem Schreibtisch vermischen sich offizielle Regierungsstatements mit Action Papers von Greenpeace. Einen wirklichen Durchblick hab ich immer noch nicht. Wie zum Teufel kann man Wind in "thousand tonnes of oil equivalent" messen? Eine Tonne Wind = eine Tonne Öl??? Wikipedia sei Dank, läßt schließlich auch dieses Problem lösen. Immerhin bringe ich es heute auf ganze 3 Seiten Bericht.
Zum Mittagessen sind wir mit Herrn Rahimi verabredet, der uns über seine Arbeit in der Kulturabteilung erzählt und mit uns darüber diskutiert, was man im Zeitalter von multilateralen Organisationen noch mit bilateraler Diplomatie erreichen kann. Es wird eine wirklich interessante Diskussion und irgendwie ist es gut zu sehen, dass es auch so Leute wie Herrn Rahimi in der Botschaft gibt. Er hat einen wirklich interessanten Lebenslauf und steht trotz seines ersten Postens in Lagos noch voll hinter dem Auswärtigen Amt. Angeblich hat er sich mehrere Jahre auf den Auswahltest beim Auswärtigen Amt vorbereitet.
Abends haben wir uns verabredet, um in Shakespeare's Globe Theatre zu gehen. Man hat tatsächlich das Theater, in dem Shakespears-Stücke damals aufgeführt wurden in London nachgebaut. Leider hab ich die Millenium Bridge und den Millenium Quay verwechselt, so dass ich noch ca eine halbe Stunde zu Fuß entlang der Thames renne und ganz knapp vor Beginn der Show ankomme. Leider werden wir für den Prolog nicht mehr reingelassen, aber zu Beginn des Stückes dürfen wir dann rein. Das Theater ist ein Freilufttheater. Wir haben Stehkarten. Rings um uns außen sind lauter Holzbänke, die wie in einem alten antiken Theater kreisförmig um die Bühne angeordnet sind. Außen um das Theater sind alte Fachwerkmauern und die Dächer, die über der Bühne und den Sitzplätzen sind, ist ein altes Reetdach angebracht. Das Bühnendach lastet auf zwei Mamorsäulen und die Kulisse ist mit einen Balkon, einer Tür und diversen Holzschnitzerein verziert.
Leider versteh ich beim ersten Akt nicht wirklich viel. Nach der Pause wird es deutlich besser. Ach so, ich vergas: Wir haben Comedy of Errors geguckt. Naja, Verwechslungskomödien sind nicht so wirklich meins, aber ein Erlebnis war es auf jeden Fall. Die Atmosphäre ist wirklich beeindruckend. Wenn man in dem Innenhof steht glaubt man gar nicht, dass man in London ist.
Pünktlich zum Stückende setzt der Regen ein und begleitet mich auf dem Nachhauseweg.
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7.08.2006 - Everybody has a weapon to fight you with

Heute hoffte ich endlich das Projekt zum Thema "erneuerbare Energien in GB" loszuwerden. Ich hatte bereits zwei Tabellen mit Müh und Not ausgefüllt und hab sie meinem Betreuer geschickt. Zurück kam nur ein "Sie wissen, dass auch ein Bericht gefordert war" Nein, vielen Dank wusste ich nicht, ich telefoniere so selten mit dem Umweltminister. Das hat mir mehr oder weniger den Abend versaut. Ich kenne mich in dem Thema doch nicht aus und das weiß er doch auch, wieso brummt er mir dann noch einen Bericht auf? Schließlich bin ich so sauer darüber, dass ich beschließe: Er bekommt seinen Bericht. Bis Freitag.
Clemens und Karo können mich noch überzeugen später noch nach Acton zu kommen. Wir wollen alle etwas kochen und zusammen essen. Annika, die auch noch arbeiten muss, schafft es dann auch mich vom Computer loszueisen und wir treffen Bettina und Karo und machen uns auf den Weg Richtung Westend. Dort angekommen macht uns Miriam die Tür auf. Clemens ist einkaufen und kommt eine halbe Stunde später voll beladen zurück. Ich hab in der Zwischenzeit einen Frust-Cidre getrunken und einen Zettel an den Kühlschrank geklebt "CLEMENS, wir haben HUNGERRRRR!!!!
Ich mach mich nach dem Essen relativ schnell wieder auf den Weg nach Hause. Meine Laune ist im Eimer.
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31.07.2006 - Come on home, but don't forget to leave

Ich komme heut morgen sehr früh in die Botschaft und schreibe noch schnell das Protokoll von dem Gespräch gestern nachmittag. Dann gibt es noch einen Kaffee und Laugenbrötchen vom deutschen Bäcker, der jeden Freitag vor der Botschaft steht. Kaum kommt die E-Mail "Der Bäcker ist da" über den Verteiler stürzt alles was in der Botschaft arbeitet aus dem Haus auf einen schwarzen Kleintransporter zu. Der Bäcker hat nicht nur Kuchen, dt. Brot und Laugengebäck, sondern auch Knoppers, Dr. Oetker Milchreis, Landliebe Pudding und was man sonst noch nicht in England bekommt. Ich decke mich nur mit Laugenbrötchen ein und mache mich kurz danach auf den Weg zur Waterloo Station. Dort drucke ich mein Ticket aus und checke in den Eurostar ein. Es ist tatsächlich so wie am Flughafen. Man muss durch die Passkontrolle, das Gepäck wird geröngt, man muss durch die Sicherheitskontrolle und das Bahngleis ist von allen anderen total abgeschirmt und abgetrennt.
Der Zug selbst ist innen total komfortabel. Ich hab einen Fensterplatz und kann mir die englische Landschaft ansehen. Kurz nach Ashfields Int. geht es dann in den Tunnel. Man merkt allerdings gar nichts davon, dass man unter dem Kanal fährt und die Fahrt dauert auch nur 30 Min.
Der Zug hält noch in Lille und kurze Zeit später steht er schon an der Zuidstation in Brussel.
Ich kann nur sagen. Danke an alle für dieses schöne Wochenende und ich hab mich wirklich sehr gefreut euch alle wiederzusehen.
(und Danke an Janosch dafür, dass du immer noch genauso bist)
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31.07.2006 - Royal Albert Hall

Der heutige Tag fängt sehr gemächlich an. Ich mache mit Annika zusammen die Presseschau, dann kommt das übliche Kaffeetrinken. Für Frau Lotzenburger bearbeite ich eine Gästeliste weiter und verschicke noch einige Einladungen. Schließlich darf ich mit meinem Betreuer aus der Wirtschaftsabteilung noch zu einem Gespräch mit einem Mitarbeiter aus dem englischen Wirtschaftsministerium fahren und dort protokollieren. Somit fahre ich das erste Mal Taxi in London. Die Autos sehen zwar von außen mittelprächtig edel aus, aber so toll ist es letztendlich auch nicht, obwohl man unglaublich viel Platz hat. Es gibt vier Sitze und man sitzt sich gegenüber, wie in einer Limosine. Leider hat mein Betreuer etwas Schwierigkeiten den Taxi-Fahrer zu verstehen, doch wir kommen ans gewünschte Ziel und werden nachdem wir irgendeinen Zettel ausgefüllt haben auch in das Ministerium gelassen. Dieses befindet sich in einem moderen Stahl/Glas-Bau und ist voll klimatisiert, leider so penetrant, dass ich ohne Jacke tatsächlich anfange zu frieren. Der Mitarbeiter, der das Gespräch führt ist unglaublich kompetent in seinem Fachgebiet. Am Ende habe ich vier Seiten Protokoll geschrieben.
Als ich zurück komme kaufe ich erst einmal eine große Schachtel Himbeeren. Ich finde es erstaunlich, dass das Obst, was in Deutschland am teuersten ist (Himbeeren, Blaubeeren, Brombeeren etc.) in England sehr sehr günstig ist und wirklich gut schmeckt. Vielleicht waren meine Himbeeren genetisch modifiziert? Vielleicht wächst mir im Alter noch ein dritter Arm oder ich werde nie in die Wechseljahre kommen....
Nachdem Essen mach ich mich auf den Weg in die Royal Albert Hall. Miriam hat für uns Karten für die BBC Proms besorgt. Die Konzerte in der Royal Albert Hall sind schließlich berühmt und außerdem soll auch eine Weltklasse-Pianistin spielen, von der ich leider nur noch nie was gehört habe. Die Konzert-Halle ist wirklich sehr beeindruckend. Der Raum ist rund und komplett mit rotem Samt ausgeschlagen. Unten zwischen den Stehplätzen ist ein Springbrunnen in dem ein Dinosaurier sitzt. Hinter der Bühne hängt eine gewaltige Orgel. Wir sitzen im Dritten Stock direkt am Balkonrand. Allerdings ist es in der Halle wirklich sehr heiß. Fast alle Leute fächern sich mit den Eintrittskarten Luft zu.
Kurze Zeit später kommt ein Hinweis, dass man die Handys ausschalten soll und dass das Konzert live in BBC 3 übertragen wird. Dann maschieren Dirigent und Orchester ein. Als der Dirigent den Taktstock hebt, ist es so still in der RAH, dass man wirklich die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören würde. Das erste Konzert ist Rihm und gefällt mir überhaupt nicht. Es ist wie ein Klangteppich und es kommt keine Spannung auf. Zum Glück kommt danach Schuhmann und nach der Pause Mahler und beides ist wirklich ganz klasse. Die Pianistin ist wirklich sehr gut. Ich wünschte ich hätte jemals den Ergeiz gehabt auch nur halb so gut zu spielen.
Nach dem Konzert gehen wir noch durch Kennsington nach Hause. Das Viertel ist sehr schön. Es gibt viele Museen und kleine Geschäfte mit afrikanischem Kunsthandwerk, Bäckereien, Antiquitäten etc. Irgendwann schaffe ich es hoffentlich auch nochmal tagsüber hierher zu kommen.
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27.07.2006 - Hotter than the matches

Heute morgen keine Presseschau, dafür darf ich mich in die volle U-Bahn quetschen. Um 7:45 sind bedeutend mehr Leute unterwegs, als um 6:45. In der Botschaft angekommen sitzt die arme Annika schon seit 7:00 an der Presseschau.
Ich suche erst einmal, ob ich noch neue Zahlen für die Tabelle für Herrn Langer finde und hab auch gleich wieder einen Haufen komischer E-Mails von ihm. Kurze Zeit später kommt Herr Schlichting und gibt mir seinen Bericht zur Airshow in Farnborough. Ich übernehme noch ein paar Zahlen und schicke sie an meinen Chef. Gott sei Dank kommt nach dem Kaffeetrinken Frau Lotzenburger und sagt, dass sie mit der Personalabteilung geredet hat und dass ich ab jetzt auch bei ihr mitarbeiten darf. Ich gehe selbst auch noch einmal zur Personalabteilung und Frau Luig ist wirklich sehr freundlich und hört sich an, was ich ihr erzähle. Auch sie bestätigt, dass noch andere Leute mit meinem Chef Probleme haben und dass sie eine Attache, die im Moment ihm zugeteilt ist, schon nach dem ersten Tag über ihn beschwert hat.
Ich verschicke für Frau Lotzenburgen Einladungen für eine gemeinsame Veranstaltung der Bremer Landesbank und der Botschaft und führe eine Gästeliste. Das ist mir alle Mal lieber, als an irgendwelchen Tabellen zu erneuerbaren Energien zu arbeiten, von denen ich nichts verstehe. Dann bekomme ich doch noch eine Mail von meinem Chef. Es geht um eine Anfrage zu Einspeisebedingungen in Großbritannien. Ich schicke ihm den Link, unter dem man sämtliche Bedingungen findet und eine Seite auf der die Erneuerungen aufgelistet sind. Seine Antwort: "Ist die Frage damit beantwortet?" Na ja, das kommt drauf an (<-- Standardantwort), wie viel Mühe wir uns damit machen wollen und ob wir bis ins Detail die passenden Regelungen raussuchen wollen oder ob wir das besser demjenigen überlassen, der weiß was genau die Firma braucht. Doch ehe ich mir groß Gedanken machen kann, kommt die frohe Botschaft: "HITZEFREI" Herr Ischinger gibt allen Mitarbeitern ab vier Uhr frei. Ich esse mit den anderen im Hyde Park zu Abend und fahre dann nach Hause und telefoniere mit Janosch. Ich freue mich so unglaublich auf das Wochenende
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26.07.2006 - Somebody say something

Heute ist der letzte Tag der Presseschau für mich. Mein Bericht kommt wieder mit in den Pressebericht, was mich sehr freut.

Ich lade Herrn Unkelbach zum Kaffeetrinken ein, wobei er mir von seiner Ausbildung erzählt. Beim Maschinenbaustudium muss man ein halbes Jahr praktische Studienzeit absolvieren. Also erfahre ich, wie Maschinenbetten hergestellt werden und wie die ICE-Karosserie produziert wird. Ich find es echt unglaublich, dass in der Metallverarbeitung noch so archaische Methoden angewandt werden. Wir kommen schnell auch auf andere Themen, wie die elektro-thermische Kanone und Weltraumschrott. Mal wieder ein sehr interessantes Gespräch. Die anderen essen währenddessen ein full-english breakfast. Mir wär das bei dem Wetter zu fettig und zu heiß. Annika meint danach, dass sie sich total vollgegessen fühlt. Somit fällt das Mittagessen sehr kurz aus, was mir angesichts der Pizza am Vorabend sehr recht ist.

Am Nachmittag muss ich zu Herrn Langer, meinem sogenannten Betreuer. Er spricht mich auf eine Tabelle an, die ich für ihn vervollständigen soll. Ich erkläre ihm, dass es schwer ist, die Zahlen zu finden und dass ich ans DTI geschrieben habe, aber noch keine Antwort erhalten habe. Doch Herr Langer knallt mir irgendein Heftchen vor und meint es stünde alles darin. Ich frage mich, wieso er mir das Ding jetzt erst gibt?! Nachdem ich es kurz durchgeblättert habe, stelle ich fest, dass gar nichts von den Zahlen, die ich brauche darin steht. Na vielen Dank, ich bin erst einmal bedient und der Überzeugung, dass ich noch nie während eines Praktikums von meinem Chef so unverschämt behandelt worden bin. Ziemlich aufgebracht stürme ich aus dem Büro und laufe einer Mitarbeiterin des Botschafters in die Arme. Diese bietet mir nach einem Gespräch an, dass ich in ihre Abteilung wechseln könnte oder dass sie mit meinem Chef bzw. der Personalabteilung für mich redet. Ich bin ihr sehr dankbar für das Angebot.

Als ich wieder an meinem Schreibtisch sitze, hab ich eine E-Mail von Herrn Langer: "Haben sie was zu der Airshow gefunden?" Nichts weiter. Noch nicht einmal ein MfG. Glücklicherweise kommt nach einiger Zeit ein sehr netter Herr aus dem Militärattachestab und sagt, dass er mich suchen würde. Er gibt mir einen Bericht, den er über die Airshow geschrieben hat und noch einige Zeitungsartikel. Dann erklärt er mir, was es mit der Veranstaltung au sich hat, wie er zur Bundeswehr gekommen ist und wie seine Ausbildung verlaufen ist und welche Möglichkeiten ich als angehende Juristin bei der Bundeswehr hätte. Na toll, wieso sind alle so freundlich und bemüht (wohl gemerkt, Herr Schlichting hat mir das alles lange nach seinem offiziellen Feierarbend erzählt) und nehmen sich Zeit nur mein Betreuer fühlt sich weder zuständig, noch hat er Zeit für ein Feedback.

Auf dem Weg nach Hause treffe ich noch eine Mitarbeiterin der Presseabteilung. Diese ist ebenfalls sehr freundlich und wir kommen ins Plaudern. Insgesamt macht mich das Ganze noch deprimierter. Ich scheine wirklich den einzigen unfreundlichen Menschen in dieser Botschaft als Betreuer erwischt zu haben und Annika darf das Schicksal noch bis zum Ende der Woche mit mir teilen.

Zu Hause lass ich mich erst einmal von Janosch trösten und esse aus Frust eine Schachtel Himbeeren (in England relativ gesehen viel günstiger als in Deutschland, aber immer noch ziemlich teuer).

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25.07.2006 - Wake up call

Heute morgen springe ich erst einmal schnell unter die Dusche, um mich fertig zu machen. Grade als ich aus der Dusche komme und mir meine Jogginghose und ein T-Shirt übergezogen habe, klingelt der Feueralarm. Ich schnappe mir wieder meine Handtasche und gehe nach Draußen. Leider läßt die Feuerwehr auf sich warten und durchsucht, dass Haus nach ihrer Ankunft akribisch. Ich muss eigentlich zur Botschaft. Ich habe heute wieder Presseschau, doch in Jogginghose und Poloshirt, kann ich da nun wirklich nicht aufkreuzen. Also warte ich bis wir das Haus wieder betreten dürfen und komme knapp eine Stunde zu spät zur Arbeit. Gott sei Dank sind die Boulevard-Zeitungen schnell ausgewertet.
In der Mittagspause gehen wir wieder in den Park und ich danach noch kurz zu Waterstone's, um ein Geschenk für Herrn Unkelbachs Tochter zu kaufen. Nachdem mich ein netter Herr in der Kinderbuchabteilung beraten hat, kaufe ich schließlich ein Fühlbilderbuch "This is not my bear". Meine Mitpraktikanten sind davon sehr begeistert. Ich hoffe es hat beim Kind den gleichen Effekt.
Ich mache pünktlich um halb fünf Schluss und fahre mit Herrn Unkelbach nach Hause. Die Familie wohnt in einer sehr schönen ruhigen Gegend im Norden Londons ("Hamstead Heath", wo wir auch schwimmen waren). Das Haus sieht genau so aus, wie man sich ein kleines englisches Haus im Grünen vorstellt. Gebaut aus rotem Backstein mit weißen Fenstern, einigen Erkern, Kaminen in zwei Zimmern, viel Licht, viel Holz und einem Garten. Frau Unkelbach ist sehr nett und die kleine Tochter (Lisa) ist wirklich süß. Schnell hab ich Kind und Bilderbuch auf dem Schoß. Zwar sind die Fühlflächen in dem Bilderbuch sehr klein, doch Lisa patscht trotzdem als erstes auf die raue Nase von dem Bär und scheint Spaß an dem Buch zu haben.
Die Gespräche den Abend sind sehr interessant. Unter anderem erfahre ich, wie es ist Gäste mit total verschiedenem kulturellen Hintergrund zu bewirten. Zum Abendessen gibt es Pizza vom Pizzaboten. Gott sei Dank keine Formalitäten.
Viel später als eigentlich erwartet (22:30) fährt Herr Unkelbach mich zur Tube und ich mache mich auf den Weg nach Hause. Ich muss an der Waterloo Station aussteigen und dort mit dem Bus weiter. Leider sind die Bushaltestellen wie wild um den gesamten Bahnhof verteilt. Bis ich meine gefunden habe vergeht einige Zeit und bis der Bus kommt sowieso...
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24.07.2006 - Good morning life

Diese  Nacht ist es endlich passiert.Ich bin gegen vier Uhr von dem Rufen und Grölen der Deutschen gewecktworden und grade als ich mich beschweren will. Hör ich die Stimme einerLehrerin, die sagt: "sooooooo wir gehen dann mal zur Bushaltestelle148." Genau, denk ich, dann geht mal und kommt ja nicht wieder. Später fällt mir auf, dass der 148er um die Zeit gar nicht fährt.
Ich fahre zur Botschaft, da ich ja die Presseauswertung machen muss.Dabei fällt mir etwas auf, was mich schon seit längerem an London stört. Es gibt keine Mülleimer. Tatsächlich gibt es in ganz Belgravia keinen einzigen Mülleimer. Auch vor dem Buckinghampalace sucht man wirklich vergebens. Das hat zur Folge, dass die Reichen und Schönen, die hier wohnen ihre Mülltüten (nicht Säcke) einfach so auf die Straße stellen, wo sie von Ratten und Vögeln und was weiß ich wem sonst noch zerrissen werden. Ich hab immer noch Skrupel meine Zigarettenkippen dazuzuschmeißen. Bettina sagte, dass ist weil man Angst vor Bomben hat. Also lieber Ratten und verdreckte Straßen als Sprengstoff
Das Pressetelegramm ist heute wirklich lax. Ich muss noch nicht maleinen Text schreiben, weil Herr Flügger freundlicherweise die Texte mit mir durchspricht und beschließt, dass nichts wichtiges dabei ist.
Ich will anschließend nach Spitalfields auf den Markt und dort diea nderen treffen. Doch es fährt mal wieder keine Tube, so dass ich mehr als eine Stunde mit Bussen unterwegs bin. Vorher kauf ich mir ein Eis auf der Oxford Street, die brechend voll mit Menschen ist, die (God praise the Queen) den Sonntag zum Shoppen nutzen. Auf der Oxford Street gibt es seltsamerweise jede Menge Mülleimer. Anscheind wäre es nicht so schlimm, wenn hier eine Bombe hochgeht.
Die Weltreise zur Liverpool Street lohnt sich. Spitalfields ist ein wirklichschöner kleiner Markt. Die Sachen dort sind wirklich ausgefallen, zwar auch nicht billig, aber dafür wirklich außergewöhnlich. Es gibt Schmuck und Kleidung aus den 60ern, Schallplatten und Kunsthandwerk. Ich kaufe ein Geschenk für meine Großeltern und esse danach indisch. Es gibt Gemüsecurry (extra scharf) und Spinat-Nan. Ich werde auf jeden Fall noch einmal auf diesen Markt gehen und mir eine Kette und eine Sonnenbrille kaufen.
Aus schlechtem Gewissen wegen des ausgiebigen Mittagessens laufe ich die 1:30 Stunden zu Fuß nach Hause. Unterwegs sehe ich in einem Innenhof ein wirklich sehr schönes und voll besetztes Pub (St. George). Da hier keine typische Touristengegend ist, spricht das wohl eher für das Pub. Ich werde zum Bier trinken wieder kommen. Zu Hause angekomme heule ich erst mal Janosch mein Leid mit der U-Bahn vor. Dann mach mich fertig und treffe die anderen am Convent Garden. Wir wollen eigentlich auf ein Jazzkonzert,doch das fällt aus. Somit sitzen wir mit Wein und Eistee im St. Jame'sPark und lassen den Abend ausklingen. Der Park ist abends ganz besonders schön, weil er beleuchtet ist und kaum Besucher da sind. Die Wiese ist total trocken. Wir haben unterwegs im Evening Standard ein Bild vom Hyde Park gesehen, der aussieht wie eine Wüste, weil das Gras so vertrocknet ist. Wir lassen den Abend noch ausklingen.
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24.07.2006 - The rain in Spain...

Heute morgen werd ich um 6 Uhr wach. Es regnet tatsächlich draußen. Na toll und das ausgerechnet, an dem Tag, an dem wir nach Windsor wollen.... Ich steh auf und mach mich fertig.
Dann fahr ich nach Elephant and Castle auf den Markt und bin mal wieder überrascht. Es gibt tatsächlich einen Stand, der Voodoo Medizin und sonstiges Equipment (Puppen, Kerzen, Nadeln, etc...) verkauft. Der freundliche Inder, der mir die Limetten verkauft hat ist nicht da, also kauf ich bei einem anderen Stand eine Melone, Nektarinen und Kiwis.
Voll bepackt fahre ich Richtung Paddington Station. Spontan fallen mir bei dem Namen Agatha Christies Krimi und der Paddington Bär ein. Den Bären kann man am Bahnhof tatsächlich kaufen, von Christies Roman bemerkt man allerdings nichts. Ich lasse mir am Automaten sage und schreibe 17 Tickets ausdrucken. Soviel zum Thema "Oh you wanna travel by group ticket".  Die anderen treffen auch langsam ein und gerade als wir durch die Schranke gehen wollen stellen wir fest, dass auf den Tickets steht: Valid until 21. July (das war gestern). Natürlich kommen wir mit den Tickets nicht durch die Schranke. Doch weil der Zug schon kurz davor ist abzufahren, lässt uns ein freundlicher Bahnmitarbeiter durch das Rollstuhlfahrertor gehen, ohne unsere Tickets zu kontrollieren. Der Zug ist zwar sehr voll, aber wenigstens voll klimatisiert. Denn man muss sagen, dass der morgendliche Regen nur den Effekt hatte, dass es mittlerweile feucht-heiß wie in den Tropen ist. Mittlerweile scheint wieder die Sonne und es sind bestimmt 30 °C. Der Schaffner knipst unsere Tickets ohne Probleme ab. Eine Viertelstunde später kommen wir in Slough an, wo wir nach Windsor umsteigen müssen. Der Zug ist noch voller und nicht klimatisiert. Somit sitzen wir in Windsor erst einmal völlig fertig auf einer Bank vor dem Schloss.
Schließlich besorgen wir uns Eintrittskarten, wobei ich als unter 17 durchgehe und somit statt horrenden 12 GBP nur 7,50 GBP bezahlen muss. Es hat halt alles auch seine Vorteile
Wir gehen zuerst in die St. George's Chapel. Die Kirche ist wirklich beeindruckend. Sie ist im spätgotischen Stil erbaut und hat eine wirklich schön verzierte Decke. Sehr beeindruckend finde ich eine Votivkapelle in der Ecke, die die Trauer um eine verstorbene Prinzessin und gleichzeitig deren Aufstieg in den Himmel zeigt. Die Figuren sind aus weißem Mamor gehauen, aber der Stein ist so gut bearbeitet, dass das dünne Gewand, das die emporsteigende Prinzessin trägt, tatsächlich wie ein nasses Tuch aussieht. Das gleiche gilt für die Tücher, die ihren Leichnam bedecken. Ich hab so etwas schon mal in Italien gesehen und weiß noch, dass man damals rätselte, ob es wirklich Mamor oder vielleicht ein neues revolutionäres Material ist. In der Kirche sieht man auch die Sitze und Wappen der Mitglieder der Hosenband-Ordens, dessen Name auf Englisch weniger lächerlich klingt: Garter's Order
Nach der Kirche sehen wir uns die königlichen Gemächer an. Ich kann nur sagen, dass sie teilweise beeindruckend schön waren, teilweise einfach nur kitschig. Im Gedächtnis geblieben ist mir ein Raum, an dessen Decke die Wappen aller derzeitigen und verstorbenen Mitglieder des Hosenband-Ordens hängen. Einige Wappen sind weiß und gehören denjenigen, die sich durch ein Verbrechen unwürdig erwiesen haben. Die weißen Wappen bleiben zu ihrer Schande immer dort hängen.
Als wir rauskommen regnet es und ist deutlich kühler geworden. Wir laufen schnell in ein Restaurant in der Stadt und essen eine Kleinigkeit. Dann gehen wir noch ein Stück durch den Great Windsor Park (mittlerweile hat der Regen wieder aufgehört). Leider ist der Park so riesig, dass wir zu den beeindruckensten Stellen gar nicht kommen.
Wir drehen lieber um und gehen nach Eton. Die Stadt ist sehr nett. Wir setzen uns vor die Kirche der Eliteschule und essen, das Obst, das isch schon die ganze Zeit mitschleppe. Die Schule hat schon zu, aber wir guccken über die Mauer. Es sieht sehr spartanisch aus, aber es ist ja angeblich auch eine Elite- und keine Luxusschule.
Schließlich fahren wir zurück nach London. Unsere Tickets werden wieder anstandslos akzeptiert. In London sind alle zu müde, um noch irgendwas zu machen. Ich kaufe mir ein Eis und fahre dann nach Hause.
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24.07.2006 - Man wird ja nur verar...

Heute morgen war erst einmal wieder Pressewoche. Die Zeitungen sind immer noch voll von Nachrichten aus Nahost.
Wir gehen in der Mittagspause wieder in den Park auf der Mitte des Belgrave Squares und essen. Spontan beschließen wir morgen nach Windsor Castle zu fahren.
Ich erhalte noch eine gute Nachricht: Ich hab einen neuen Mietvertrag. Wahrscheinlich werde ich nie wieder ein Zimmer bei der University of Westminster bekommen (was gut ist, weil ich auch gar keins mehr haben will) und in die Geschichte als nervigster Mieter eingehen (was auch gut ist, weil ich ja bekommen habe, was ich will). Am 05. August werd ich ins Wigram House umziehen und das ohne den wunderschönen Aufpreis von 270 GBP zu zahlen.
Danach ruf ich bei First Great Western an und erkundige mich nach dem Preis für Zugtickets. 3,70 GBP hin und zurück pro Person. Hört sich verdammt gut an. Leider erzählt mir die nächste Dame mit der ich telefoniere etwas anderes und ich muss sie erst freundlich darauf hinweisen, dass es doch auch noch einen billigeren Tarif gibt. Schließlich klappt auch das.
Nach dem frühen Feierabend mach ich mich auf den Weg nach Hause. Ich kann wieder nur ein paar Stationen mit der Tube fahren. Es ist viel zu heiß dadrin. Gott sei Dank gibt es in Westminster einen Bus, der sehr schnell bei mir ist. Doch die Luft in der Stadt ist noch immer so schwül und drückend, das es kaum zum Aushalten ist. Zu Hause angekommen will ich duschen, doch einer meiner Landesgenossen hat schön heiß geduscht und dann schön das Fenster zu gelassen. Man fühlt sich also wie in einer Sauna bzw. einem Feuchtbiotop. Es ist echt schön, wenn es noch Menschen mit Verstand gibt. Also spar ich mir das Duschen und lauf ein bisschen durch den Park vom Imperial War Museum. Nach dem Telefonieren leg ich mich hin, aber es ist wirklich viel zu warm zum Einschlafen. Mitten in der Nacht fängt es dann an:
Gewitter.
Das Donnern übertönt selbst die Polizeisirenen auf der Lambeth Road.
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21.07.2006 - USE OTHER DOOR!!!!

Ich schaffe es pünktlich aufzustehen, aber weil ich nicht wieder den Schock erleben möchte, dass die Tube erst 15 Minuten später fährt, nehme ich direkt den Bus. Der fährt über die Lambeth Bridge und tatsächlich direkt auf die Houses of Parliament, den BigBen und die Westminster Abbey zu. Das ganze in der Morgensonne hat schon mal kitischiges, ist aber gleichzeitig auch schön und beeindruckend. Ich steig in Westminster in die Tube und bin tatsächlich um 7:15 in der Botschaft.
Die Boulevardblätter schlachten die Nahostkrise voll aus. Dazu kommen noch diverse Regierungsskandälchen und Skandale. Ich bin bis 8 gut beschäftigt. Danach darf ich noch eine Zusammenfassung zum G8 Gipfel und den Zugeständnissen an die WTO machen.
Nach dem Mittagessen bekomme ich die E-Mail mit der Einladung von Herrn Unkelbach. Ich bin wirklich mal gespannt. Leider darf ich mich dann auch noch ein bisschen mit dem Housing Office der University of Westminster rumärgern. Herr Short (Komplexe wegen dem Namen ?) scheint die Weisheit und Kompetenz tatsächlich mit Abtropfkellen gegessen zu haben. Ich will doch nur Zimmer in dem anderen Haus...
Als ich mich auf den Weg nach Hause mache, muss ich leider in Embankment feststellen, dass die Bakerloo Line nicht fährt. Somit lauf ich erst einmal 20 Minuten durch die pralle Hitze auf der Suche nach einem Bus. An der Haltstelle angekommen fährt der erste Bus vorbei, weil er angeblich (so klärt mich ein freundlicher Brite auf) voll ist. Irgendwann nach einer Viertelstunde kommt der nächste und ich fahre nach Elephant and Castle, um Limetten zu kaufen. Ich nehme gleich noch eine Schachtel Erdbeeren mit, weil ich mich total auf Eis mit Erdbeeren freue.
Zu Hause muss ich leider feststellen, dass meine klugen klugen deutschen Mitbewohner das Tiefkühlfach offen gelassen haben und dass mein Eis nur noch Suppe ist. Ich hoffe sie kriegen von ihren angetauten Pizzas die Samonellen!!! Mir ist sowieso aufgefallen, dass sich die Gruppe erstaunlich gut daneben benimmt. Von dem Haus wurde das beispielsweise damit quittiert, dass sie neben den gut lesbaren und deutlich sichtbaren Zettel an der Eingangstür, der mit "Please use other door for exit" beschriftet ist, drei dick rot umrandete Schilder gehängt haben auf denen steht "EMERGENCY EXIT ONLY!!! USE OTHER DOOR!!!" und ähnliches. Insgesamt schon sehr peinlich. Ich warte drauf, wann der Erste mit einer Kippe den Rauchmelder auslöst.
Nachdem ich mit Janosch telefoniert habe fahre ich zu Bettina und Clemens zum mexikanisch essen. In der Tube sehe ich eine Gruppe aus zwei älteren Damen und einem Herr. Die Damen bieten sich gegenseitig den letzten freien Sitz an. Ich überlasse meinen der anderen Frau und ihr Mann sagt "Oh you English people are very friendly. I am from the States. Nobody would do that there". Ich trau mich nicht zu sagen, dass ich Deutsche bin, weil er so begeistert von England schwärmt. Noch weniger möchte ich sagen, dass gestern in der METRO stand, dass englische Pendler nie ihren Sitzplatz hergeben.
In Acton Town angekommen lerne ich Bettinas Freundin aus Mexiko kennen, die uns tatsächlich sehr lecker bekocht. Dazu gibt's Caipis. Alles ist sehr entspannt. Selbst die lange Rückfahrt, auf der  mich Sarah und Lynn (auch eine Freundin von Bettina, die in London studiert) begleiten.
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19.07.2006 - Reform Club

Ich werd seltsamerweise mal wieder20Minutenvor dem Weckerklingeln wach und das, obwohl ich heutefrüherraus muss.Angeblich soll heute der heißeste Tag des Jahrtausends(naja, also derletzten 6 Jahre werden). Draußen geht noch einleichterWind und machtdie Temperatur eigentlich ganz erträglich.Ehrlichgesagt, hoffe ich dassdie Hitze anhält. Ist erstens eineguteVorbereitung für Indine undaußerdem will ich mit Janoschschließlichnoch an die Ostsee fahren.
Ander Tube angekommen, leseich, dass der nächste Zug in 15 Minutenfahrensoll. Dann würde ichgehörig zu spät kommen. Also renne ich zumBus,renne zur VictoriaStation und renne zur Botschaft und kommetatsächlichum 7:20 dort an.Einmal schnell die Boulevard-Presse nachPolitikdurchgeguckt,Hauptthemen sind natürlich wieder derNahostkonflikt (unddieHitzewelle).
Nachdem Kaffeetrinken melde ich mich bei Herrn Unkelbach, der mir dieArbeit des Militärattachestabes in London vorstellen will. Ich erwarteein kurzes Gespräch, doch gemeinsam mit einem Kapitän der Marine wird mir ein perfekter Vortrag geliefert, dernicht nur sehr informativ, sondern auch extrem interessant ist. Die Rede ist sehr gut vorgetragenund am Ende wird noch einmal auf die Fragestellung ganz zu Anfang eingegangen. Ich bin beeindruckt und hab anschließend noch Gelegenheit Herrn Unkelbach Fragen zu stellen. Erschlägt vor Mittagessen zu gehenund nimmt mich mit.... in den Reform Club...
Wer Jules Vernes "In 80 Tagen um die Welt" gelesen hat, kennt den Club vielleicht als den Ort, an dem in der Geschichte Mr. Fogg seine Wette eingegangen ist. Der Reform Club ist tatsächlich noch ein sehr traditionsträchtiger Club, zu dem man ohne Mitglied zu sein keinen Zutritt hat. Herr Unkelbach hat tatsächlich die komplizierte Prozedur der Aufnahme überstanden und ist Member. Der Club ist direkt an der Pall Mall in einem Gebäude, das nach dem Vorbild einer römischen Villa gebaut ist, untergebracht. Das Atrium hat man kurz nach der Erbauung doch miteinzeln angefertigten tschechischen Kristallglasscheiben überdacht undnicht, wie eigentlich geplant offen gelassen. Herr Unkelbach führt mich herum und ich bin wirklich beeindruckt. Der ganz Club sieht aus, wie man es aus alten englischen Filmen kennt. Es gibt zwei große Lesesälen, in denen verschiedene Zeitungen ausliegen und, wie im ganzen Haus, die Wände aus eingelassenen Bücherregalen bestehen. Im ganzen Haus gibt es 60000 Bücher. Mehr als in mancher Stadtbibliothek. Es gibt verschiedene kleine Räume, in die sich die Clubmitglieder zurückziehen können und in denen auch die Benutzung von Handys und Laptops gestattet ist. Fast jeder Raum ist mit Holzkaminen ausgestattet, die jetzt wegen der Hitze zwar nicht brennen, aber dem Ganzen im Winter noch eine schönere Atmospähre geben (So Herr Unkelbach) Hinter dem Haus liegt ein großer Garten im Kolonialstil, der erstaunlich ruhig ist, wenn man bedenkt, dass man sich direkt im Zentrum Londons befindet. Neben einer großen Bibliothek, die wir leider wegen Filmaufnahmen nicht betreten können, gibt es auch noch einen Weltklasse-Snookertisch, an dem man sich ganz unelitär zu Bier und Snooker treffen kann.
Herr Unkelbach zeigt mir, dass in jedem Raum Aschenbecher stehen, was für Großbritannien eher unüblich ist, da man das Rauchen am liebsten komplett verbieten würde. Auch befinden sich überall Klingel für Service-Personal, da ansonsten völlig unauffällig durchs Haus läuft. Herr Unkelbach lädt mich schließlich noch zum Mittagessen ein. Es gibt ein Buffet mit kalten und warmen Speisen. Ich entscheide mich für geräucherten Fisch und nehme von den Salaten etwas dazu. Der Fisch schmeckt genau, wie ich ihn aus Timmendorf kenne. Dazu gibt es Weißwein. Herr Unkelbach hat viel zu erzählen und interessiert sich auch für meine Geschichten vom Tauchen und darüber, wie es ist als "Bundeswehrkind" durch die Republik zu tingeln. Als wir nach dem Essen das Gebäude verlassen merke ich, wie der Wein mich müde und ein bisschen duselig macht. Auf meine Frage, wie ich mich für den Tag revangieren kann, meint Herr Unkelbach, dass ich einmal seine Frau und ihn besuchen kommen soll. Dann kann ich auch seine kleine Tochter kennenlernen. Ich freu mich schon jetzt drauf.
Als ich in der Botschaft ankomme, heißt es zum Glück nach ein paar Minuten, dass Botschafter Ischinger uns allen hitzefrei gibt. Mit den anderen kipp ich noch ein Glas eiskalte Coke light runter und mach mich dann auf den Weg nach Hause, um meiner Mutter und Janosch zu berichten, was heute los war. Ich hab das Gefühl, dass es zwei sehr lange Telefonate werden.
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19.07.2006 - Something's coming up: Heatwave approaching London

Schlagzeile der METRO heute morgen: London bereitet sich auf die Hitzewelle vor. Und tatsächlich. Es ist schweineheiß. 32 °C werden teilweise gemessen. Morgen sollen es 39°C werden
Auf der Arbeit einige ich mich mit Regina, dass ich ab morgen die Pressewoche mache und bis Dienstag brav um 7:15 hier auf der Matte stehe. Dafür hab ich's dann hinter mir.
Wir gehen in der Mittagspause in eine Sandwichbar. Gott sei Dank bekomme ich keine Butter/Magarine auf mein Käsebrot geschmiert. Ganz aufessen kann ich es trotzdem nicht. Es ist einfach viel zu warm, um irgendwas zu machen. Mir ist sogar zu heiß zum Rauchen. In unserem Büro ist es am schlimmsten. Wir sitzen zu viert, es laufen vier Computer, zwei Drucker und die Sonne scheint genau ins Fenster. Ich rufe bei der Verwaltung von meinem Wohnheim an und sage, dass ich meinen Vertrag kündigen will. Die nette Dame am anderen Ende sagt mir, dass ich kein Geld zurück bekommen. Man wäre diesbezüglich "very strict". Na toll, wenn ich mir die Bruchbude vor Augen führe, dann weiß ich auch warum. Allerdings kommt mir nachmittags die Idee, ich könnte das Wohnheim wechseln. Also ruf ich noch mal bei der Hotline an und habe zum Glück eine andere Frau an der Leitung. Ich erzähle ihr, dass ich in das Wigram House wechseln möchte und sie verspricht mir die Details zuzuschicken. Nach der Arbeit fahr ich zu dem Haus und gucke es mir. Es liegt in einer ruhigen Seitenstraße an der Victoria Station. Also kann ich zur Arbeit morgens laufen. Die Zimmer sind kleiner als mein jetziges, aber trotzdem ist alles viel sauberer. Mir gefällt das Haus auf jeden Fall besser als meine jetzige Bleibe. Jetzt hoffe ich, dass die Dame hält, was sie versprochen hat.
Ich hab mich für abends mit den anderen zum Pizza-Essen verabredet. Janosch stimmt mir zu, dass es verrückt ist bei dem Wetter Pizza zu essen. Zum Glück haben die anderen auch so gedacht und somit sitzen wir alle mit unseren Sandwiches (bzw. ich mit meinem Joghurt und meinem Apfel) im Hyde Park. Später spielt eine Latinoband und es gibt Cuba Libre für 2 GBP. Ich trinke meinen ziemlich schnell aus und wanke dann mit Annika zur Tube Station. Clemens und Caro lassen wir alleine :)
Ich fühle mich, als wär ich total besoffen. Die Tube steht mal wieder 20 Minuten sinnlos an der Waterloo Station rum und fährt dann doch weiter. Als ich aus der Station komme, ist es wenigstens ein bisschen kälter bzw. es geht ein ganz leichter Wind. Zu Hause angekommen hab ich dann die Wahl zwischen: Bei offenem Fenster wegen dem Lärm kein Auge zu bekommen und bei geschlossenem Fenster wegen der Hitze kein Auge zu bekommen. Ich entscheide mich für ersteres und liege noch fast zwei Stunden wach und dass, wo ich ausgerechnet morgen früh aufstehen muss.
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18.07.2006 - Gefangen in der ewigen Mittagspause

Es ist tatsächlich schon wieder Montag. Ich kann es gar nicht glauben. Mittlerweile hab ich den -meines Erachtens- kürzesten Weg von der Tube zur Botschaft gefunden. Wir beschließen für die Mittagspause mit unserem Essen in den kleinen Park in der Mitte des Belgrave Squares zu gehen. Dieser Park ist nur für die Botschaftsangehörigen und abgeschlossen, aber wir haben uns den Schlüssel besorgt und sind guter Dinge, als wir mit unseren Waitrose-Tüten ankommen. Nach dem Essen spielen wir ein bisschen Volleyball in der Sonne, bis wir feststellen, dass es vielleicht keine gute Idee ist komplett verschwitzt wieder zur Arbeit zu gehen. Als wir den Park verlassen wollen, müssen wir feststellen, dass der Schlüssel nicht funktioniert, trotz roher Gewalt und feinfühligem Drehen lässt sich das Tor keinen Millimeter öffnen. Ein paar Mitarbeiter der italienischen Botschaft haben anscheinend das gleiche Problem. Das stehen wir nun, wie Sarah sagt "gefangen in der ewigen Mittagspause". Wir probieren es an einem anderen Tor, doch auch da tut sich einfach nichts. Schließlich kletter ich trotz weißer Hose über das Tor und komme sogar dort an, ohne mit komplett einzusauen. Grade als ich Clemens bitten will mir den Schlüssel zu geben, lässt sich das Tor plötzlich wie von Zauberhand öffnen. Man könnte jetzt einen Zusammenhang zwischen meinen 50 Kilo Gewicht auf dem Tor und diesem Wunder herstellen. Man könnte es aber auch lassen.
Wir machen alle extrem früh Schluss. Ich gehe noch zur Victoria Station und kaufe mir eine englische SIM Karte. Jetzt kann ich sogar halbwegs billig nach Deutschland telefonieren. Also ruf ich erst mal meine Mama an, die sich tatsächlich ein Loch in den Bauch freut.
Die anderen treffe ich mit Weißwein und Cidre im Hyde Park wieder. Ich gehe auch noch mal zu Waitrose und kaufe Wein und Cidre. Die Frau an der Kasse guckt mich ganz entsetzt an und fragt, ob ich denn schon 18 sei. Ich zeige ihr meinen Führerschein und sie scheint mir zu glauben. Über der Kasse hängt ein Schild: "Please do not feel offended when we ask for your ID". Ach, ich liebe England.
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17.07.2006 - Hamstead Heath

Ich schaffe es tatsächlich auszuschlafen.Ich hab mir vorgenommen heute schwimmen zu gehen. Mit den anderenwollen wir dann in Hamstead Heath, einem Park im Norden Londons,grillen und picknicken. Ich versorge mich zuerst bei Tesco mit Gemüse,Knoblauchdip und Grillkäse und mache mich dann auf den Weg.
Anderthalb Stunden später komme ich total verschwitzt und k.o. amSwimming Pool an. Das Wasser ist zwar arschkalt, doch ich habe keineandere Wahl als schnell reinzugehen, weil ich die Leiter frei machenmuss. Aber nach einger Zeit ist es echt erfrischend. Ich schwimmeeinige Zeit.
Dann treffe ich die anderen und wir liegen in der Sonne. Der Park istwirklich sehenswert und die Atmosphäre hat was von Woodstock. Überallsitzen Gruppen auf dem Gras und hören Musik oder machen selber welche.Irgendwelche Pärchen liegen knutschend und kuschelnd in der Sonne.Teilweise riecht es extrem krass nach Gras. Später ziehen wir in denWald um und bauen dort unsere Einmalgrills auf. Nach und nach trudelnauch die anderen ein. Das Essen ist echt lecker und total gemischt.  Wir unterhalten uns darüber, wie gut erzogen, doch die englischen Hunde sind, die zwar an unserem Grill schnüffeln, aber sofort auf Rufen ihres Besitzers zurück kommen. Plötzlich kommt ein großer Berhardiner angelaufen. Clemens kann ihn zwar vom Grill verjagen, doch stattdessen stürzt er sich auf Biancas Teller und verspeist in einem Affentempo zwei gegrillte Champignons, ein Stück Tomate und Couscous. Die hohe Zahl von Vegetariern in England scheint offensichtllich auch auf die Haustiere abzufärben. Nach dem Grillen gehen wir noch auf den Parliament Hill und gucken unsLondon im Sonnenuntergang an. Die anderen setzen sich noch zu ein paarMusikern, die in der Dämmerung ein Konzert geben. Ich mache michderweil auf den Heimweg. Ich komme an der Bushaltestelle an und der Busist grade im Losfahren begriffen, da sieht der Fahrer mich, lächelt undzeigt auf den Bus. Ich nicke und er läßt mich tatsächlich nochmitfahren. So was hab ich noch nicht wirklich oft erlebt. Leider werdeich schon direkt danach mit den Tücken des Londoner Verkehrssystemskonfrontiert. Die Northern Line, die ich nach Hause nehmen wollte,fährt nicht. Also muss ich auf den nächsten Bus warten und einealternativ Route nehmen. Zu Hause schlaf ich sofort ein und wach eineStunde später, als mein Telefon klingelt wieder auf.
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17.07.2006 - Welcome to the world's biggest Freakshow

Es ist Samstag. Es ist morgens und ich war gestern abend wirklich müde. Doch irgendetwas reißt mich aus dem Schlaf. Ich kann das Geräusch partout nicht zu ordnen und denke schon daran, dass die Polizei unser Haus stürmt (immerhin ist Lambeth die Gegend mit den meisten bewaffneten Raubüberfällen). Also steh ich schlaftrunken auf, grapsche meinen Schlüssel und meine Handtasche und gehe in FlipFlops, Jogginghose und T-Shirt auf den Flur. Irgendwie gehen alle die Treppe runter und langsam begreife ich, dass das Geräusch der Feueralarm ist. Ich gehe ins Erdgeschoss und will die Frau an der Rezeption anmaulen, was ihr denn einfällt eine Feuerübung am Wochenende zu machen, aber irgendwie stehen alle Leute draußen und ein paar Sekunden später kommt die Feuerwehr. Eine Britin erklärt mir, dass es keine Übung ist, sonst würde die Feuerwehr nicht kommen. Die Männer gehen mit Atemschutzgerät ins Wohnheim und kommen kurze Zeit später mit einer Bratpfanne wieder raus. "Someone was cooking". Eine Asiatin ist erstaunt und meint "The alarm is very sensitive". "Indeed" meint die Britin neben ihr und ich kann mich dem nur anschließen.
An Schlafen ist jetzt nicht mehr zu denken. Ich schnappe mir die PuG und lese ein bisschen darin. Da fällt mir auf, dass in meinem Artikel tatsächlich steht, dass die USA am Bikini Atoll mit Wasserbomben experimentiert haben. Na toll, ich denke daran, mich selbst beim Zwiebelfisch anzuzeigen. Stattdessen zieh ich mich an und fahre bis Embankment mit der U-Bahn.
Dort angekommen laufe ich zum Trafalgar Square, durch den St. James' Park bis zum Buckingham Palace. Sehr imposant... und total mit Touris überlaufen. Ich setze mich in den Park und lese im HSBC Führer von einem Markt in Camden. Kurz entschlossen nehme ich den nächsten Bus und steige nach einer halbstündigen Fahrt auf der Camden High Street aus.
Auf den ersten Blick sieht alles aus, wie Elephant and Castle. Erst als ich die Straße weiter hoch laufe sehe ich, wo ich gelandet bin. WELCOME TO WORLD'S BIGGEST FREAK SHOW.
Überall laufen Punks und Raver rum. Ich gehe in einen Gothic Shop und schau mir die Klamotten an. Erinnert mich an Live Act Rollenspiele und auch Kiss hätten ihre helle Freude an den Plateauschuhen. Aber die Sachen sind alle unbezahlbar. Ich frag mich wo die Punks und Goths die Kohle her haben. Direkt gegenüber von dem Shop ist der Klamottenmarkt. Von den Normalo-Sachen, die man bei uns vielleicht auch bei H&M bekommt mal abgesehen, hab ich so was noch nie gesehen. Es werden Dessous, japanische Mangauniformen, Punkklamotten, mittelalterlich anmutende Gewänder, Hippie-Öko-sonst-was-Sachen und alles, was man sich nur vorstellen kann verkauft. Ich kaufe ein chinesisches Oberteil und schaffe es tatsächlich den Händler von 20 GBP auf sieben runter zu handeln. Ich behaupte steiff und fest, das Oberteil würde es in Elephant and Castle für 5 GBP geben. Irgendwann ist es ihm wohl zu blöd.
Direkt hinter dem Markt läuft ein Kanal entlang mit mehreren Schleusen. Ich gehe über die Brücke auf ein Haus zu, das wie eine alte Festung aussieht. Darin gibt es noch mehr Stände. DJs stehen hinter Mischpulten und legen Goa-Trance auf. Davor tanzen sich die Leute um Kopf und Kragen. Direkt daneben ist ein Stand mit Kunstdrucken und Porzellanvasen. Etwas weiter hinten sitzt ein Jamaica, der Reggae spielt und an einem dicken Joint zieht. Ich bekomme Hunger und gehe zu den Essensständen. Die Auswahl ist riesig. Von kreolisch, über westafrikanisch, japanisch, chinesisch, thailändisch, mexikanisch, zypriotisch und was weiß ich sonst noch überfordert mich das Angebot. Schließlich esse ich westafrikanisch. Sehr lecker!
Ich laufe von meinem Nachhauseweg ein gutes Stück zu Fuß und komme dann irgendwann ziemlich kaputt bei mir an.
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